Eine Ausstellung entsteht ...

"Herkunft verpflichtet! Die Geschichte hinter den Werken": So heißt die nächste Sonderausstellung des Landesmuseums, die sich dem Thema Provenienzforschung widmet. Woher kommen die Objekte unserer Sammlung und welche Geschichten verbergen sich dahinter? Aufgabe der Provenienzforschung ist es, die Herkunft von Kunst- und Kulturobjekten zu klären. Ein Schwerpunkt liegt dabei in der Auffindung von NS-verfolgungsbedingt entzogenem Kunst- und Kulturgut, das zwischen 1933 und 1945 den Besitzer wechselte. Die Vorbereitungen für die Ausstellung laufen bereits auf Hochtouren, denn ab dem 4. November 2017 wird sie im Schloss zu sehen sein. Der Provenienzforscher Dr. Marcus Kenzler erzählt, wie die Ausstellung derzeit entsteht.

Woher kam die Idee einer Ausstellung zum Thema Provenienzforschung?

Kenzler: Seit 2011 gibt es Provenienzforschung am Landesmuseum. Wir möchten wissen, welche Gemälde, Skulpturen, Möbel und andere Objekte aus unseren Sammlungen eventuell einen verfolgungsbedingten Entziehungshintergrund haben, also sogenanntes NS-Raubgut sind, um sie den Erben der Opfer zurückzugeben. Es ist unsere historische Verantwortung, herauszufinden, ob sich in unserem Museum Objekte mit belasteter Herkunft befinden. Die Ausstellung "Herkunft verpflichtet!" zieht nach rund sieben Jahren Provenienzforschung am Landesmuseum eine Zwischenbilanz.

Was ist das Konzept der Ausstellung?

Kenzler: Wir haben uns entschieden, die Ausstellung anhand von 26 Schlagworten von A bis Z aufzubauen - zu jedem Buchstaben des Alphabets gibt es einen Beitrag bestehend aus einem Schlagwort und einem passenden Exponat. Das sind zum einen allgemein bekannte Schlagworte wie "Entartete Kunst" oder "Restitution", die die meisten Menschen wahrscheinlich schon einmal gehört haben. Aber auch Personennamen, mit denen einzelne Schicksalsgeschichten beleuchtet werden, sollen ihren Platz in der Ausstellung bekommen. Wie Rosalie Israels, deren Besitz in Oldenburg versteigert wurde, während sie selbst deportiert wurde. Die in der Ausstellung gezeigte Waschkommode stammt aus ihrem Besitz und befindet sich seit 1940 in den Sammlungen des Landesmuseums. In der Ausstellung soll ein Gesamtbild von Provenienzforschung und der Arbeit am Landesmuseum Oldenburg entstehen.

Dabei spielt die Ausstellunggestaltung sicher eine große Rolle, oder?

Kenzler: Ja. Wir haben uns gefragt: Wie sollen die Besucher durch die Räume geleitet werden? Was ist ein Blickfang, wie können wir die Highlights präsentieren? Darauf aufbauend haben wir ein Ausstellungsdesign erarbeitet, das die Besucher dabei unterstützt, die Inhalte visuell einfach zu erfassen. Der Bibliotheksflügel des Schlosses, in dem die Ausstellung zu sehen sein wird, hat neun Räume. Einige Schwerpunkträume werden mit nur einem oder zwei Begriffen und die anderen mit drei bis vier bespielt. Ein Film zeigt, wie man als Provenienzforscher vorgeht. Und wir haben ein Farbkonzept erstellt, um die Räume zu gliedern und die Begriffe von A bis Z hervorzuheben.

Was ist die größte Herausforderung bei der Vorbereitung?

Kenzler: Es ist besonders herausfordernd, die bedrückende Thematik, die von Krieg und Verfolgung geprägt ist, anschaulich zu vermitteln und dem Besucher nichtsdestotrotz Freude an der Ausstellung und am Lernen mitzugeben. Wir bewegen uns da auf einem schmalen Grad, denn natürlich muss die Präsentation der inhaltlichen Dimension entsprechen.

An wen richtet sich die Ausstellung?

Kenzler: Sie richtet sich zunächst einmal an Besucher, die sich für die Spurensuche in der Vergangenheit, die persönlichen Schicksale von Menschen und die Aufarbeitung in der Forschung interessieren. Vielleicht kennen einige den Namen Cornelius Gurlitt aus den Medien, haben eine grobe Vorstellung davon, was die Nationalsozialisten mit "Entarteter Kunst" meinten. Sicher haben einige Menschen bisher noch nicht von Provenienzforschung gehört. Das ist auch gar nicht schlimm. Die Ausstellung soll Licht ins Dunkel bringen und Interesse wecken für eines der fesselndsten, aber auch tragischsten Forschungsfelder der Kunstgeschichte. Wir freuen uns natürlich auch, wenn jemand, der sich vielleicht selbst forschend mit dem Thema beschäftigt oder im Studium damit zu tun hat, bereichert aus der Ausstellung herausgeht. Und weil natürlich auch Schülerinnen und Schüler die Zeit zwischen 1933 und 1945 im Unterricht intensiv bearbeiten, haben wir ein eigenes Schulprogramm zur Ausstellung entwickelt.

Woran arbeiten Sie momentan?

Kenzler: Gerade arbeiten wir am Katalog zur Ausstellung. Interessant ist, dass es zum Thema Provenienzforschung noch keine Nachschlagewerke gibt. Unser Katalog soll sowohl als Begleitpublikation zu unserer Ausstellung dienen als auch als nachhaltiges und allgemein verwendbares Handbuch. Darin werden jedem Buchstaben mehrere Schlagworte zugeordnet, um das Thema so breit gefächert wie möglich wiederzugeben. Der Katalog wurde im Laufe der Erarbeitungszeit immer umfangreicher, mir fielen immer neue Ideen für Beiträge ein. Ich habe viel recherchiert, geschrieben und überarbeitet. Der Grafiker hat den Katalog dann gestaltet und wir bearbeiten gerade die letzten Änderungen, bevor er in Druck geht.

Historische Inventarkarten des Landesmuseums
Entwurf einer Wandabwicklung
Besprechung der Ausstellungsgestaltung in den Ausstellungsräumen
Wie geht man in der Provenienzforschung vor? Dazu wird in der Ausstellung ein kurzer Film gezeigt.
Letzte Katalogkorrekturen

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