Wer den Pfennig nicht ehrt ...

Seit Juli 2017 wird die Münzsammlung des Landesmuseums in einem Projekt der Oldenburgischen Landschaft erforscht und erfasst. Anika Tauschensky beschäftigte sich schon während ihres Studiums der Ägyptologie und klassischen Archäologie mit römischen Münzen und untersuchte im Anschluss daran die Münzsammlung des Schlossmuseums Jever. Nach den Forschungsarbeiten am Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg wird sie auch die Münzsammlungen des Stadtmuseums Oldenburg und des Landesmuseums Natur und Mensch bearbeiten.

Welche Münzen befinden sich im Bestand des Landesmuseums?

Tauschensky: Die Sammlung des Landesmuseums umfasst Münzen verschiedener Art, zum Beispiel über 400 Münzen der römischen Kaiserzeit, Prägungen der umliegenden Gebiete, etwa Bremen, Osnabrück und Münster aber auch viele Münzen anderer Länder, wie beispielsweise Frankreich - und auch viele Medaillen. Ich beschäftige mich in meinen Forschungsarbeiten aber nur mit den Münzen, die in oder für Oldenburg bzw. Jever geprägt wurden. Das sind rund 700 Stück aus der Zeit vom 13. bis ins frühe 20. Jahrhundert. Der Großteil dieser Münzen kam 1954 in die Sammlung, als die staatliche Münzsammlung Oldenburg vom Staatsarchiv an das Landesmuseum übergeben wurde.

Wie sieht Ihre Arbeit mit den Münzen aus?

Tauschensky: Ich lege für die Münzen eine neue Grundordnung an. Dazu sortiere ich nach den Regenten, unter deren Herrschaft sie geprägt wurden. Die ältesten Münzen der Sammlung lassen sich in die Zeit von 1209 bis 1251/52 einordnen, als Otto I. in Oldenburg regierte. Dabei handelt es sich um Hohlpfennige, die vom 12. bis ins 14. Jahrhundert im deutschsprachigen Raum sehr verbreitet waren und nur von einer Seite geprägt wurden. Auf einigen von ihnen kann man schon das Grafenwappen von Oldenburg - ein Schild mit drei Balken - erkennen. Innerhalb dieser Sortierung nach Regenten ordne ich auch nach Nominalwert, also vom höchsten zum niedrigsten Bezahlwert. Ziel ist eine detaillierte Bestandsaufnahme. Dazu gehört auch, dass ich die Münzen in Münzkästen einsortiere. So können sie schnell und einfach gefunden werden. Bisher wurden sie nämlich in kleinen Papiertüten aufbewahrt.

Woraus bestehen die Münzen?

Tauschensky: Die meisten Münzen bestehen aus einer Silber-Kupfer-Legierung. Münzen sind nie ganz aus Silber, denn das Metall ist nicht fest genug. Sie können jedoch einen Silberanteil von bis zu etwa 90 % haben. Das Mischungsverhältnis beeinflusst auch den Grad der Korrosion, wobei die stabile Deckschichtenbildung - auch patina genannt - die Legierung schützt, da nur die oberste Schicht betroffen ist. Demzufolge sind die Münzen der Sammlung in ganz unterschiedlichen Zuständen, abhängig vom Metallverhältnis und von ihrer bisherigen Lagerung. Es befinden sich zum Beispiel auch Fundmünzen in der Sammlung, die teilweise weniger gut gelagert wurden und das kann man ihnen heute ansehen.

Münzforschung, Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg
Anika Tauschensky erforscht die Münzbestände des Landesmuseums.
Münzforschung, Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg
Die ältesten Münzen ihres Projekts: Hohlpfennige aus dem 13. Jahrhundert. In die Münze oben rechts ist das Wappen Oldenburgs eingeprägt.

Sie forschen also direkt am Objekt?

Tauschensky: Ja, das ist das Interessante an meiner Arbeit. Ich kann die Münzen beispielweise mal in die Hand nehmen, um ein Gefühl für ihr Gewicht und ihre Haptik zu bekommen. Ich beschäftige mich mit jeder Münze einzeln, um sie zu typisieren, also örtlich und zeitlich einzuordnen, ihren Wert zu ermitteln und vieles mehr. Dafür arbeite ich auch viel mit Bestimmungsbüchern. Für die technischen Untersuchungen gehören auf jeden Fall eine Lupe, eine Feinwaage und ein digitaler Messschieber zu meinen Arbeitsgeräten. Damit kann ich die genaue Größe der Münzen ermitteln. Die kleinsten haben einen Durchmesser von etwa 15 mm, die größten bis zu 50 mm.

Sind Sie auch schon auf kuriose Geschichten gestoßen?

Tauschensky: Ja, da gibt es mehrere. Letztens habe ich beispielsweise eine Münze entdeckt, die einen Wert von 5 ¾ Stüber hat. Stüber ist neben Mark, Taler, Gulden, Schilling, Groten oder Schwaren eine der am häufigsten vertretenen Zähleinheiten in der Sammlung. Dadurch, dass diese verschiedenen Währungen zeitgleich gültig waren, entstanden beim Umrechnen eben solche krummen Beträge.
Auf einigen Münzen sind auch richtige Szenerien abgebildet, die mit geschichtlichen Ereignissen in Zusammenhang stehen. Zum Beispiel mit der Grafenfehde in Dänemark. Christoph von Oldenburg beanspruchte nach dem Tod des dänisch-norwegischen Königs Friedrich I. 1533 den Thron für seinen Cousin Christian II., der bereits 1523 als König von Dänemark, Norwegen und Schweden abgesetzt wurde. So zeigen Christophs Doppelschillinge aus dem Jahr 1535 Christian II. auf dem Thron sitzend. König wurde er allerdings nicht mehr, sondern verbrachte den Rest seines Lebens in Gefangenschaft.
Auch Maria von Jever ließ Symboltaler prägen, die auf historisches Geschehen anspielen. Sie hat die Geschichte vom Propheten Daniel in der Löwengrube abbilden lassen und dies metaphorisch auf sich selbst übertragen - sie als Daniel in der Löwengrube, bedroht von den Ostfriesen in Form der Löwen.

Was passiert mit den Ergebnissen Ihrer Forschung?

Tauschensky: Meine Ergebnisse werden im digitalen Münzkabinett KENOM zu sehen sein. Auf dieser Webseite werden die erforschten Münzsammlungen verschiedener Museen zusammengetragen und für jeden ersichtlich gemacht. Auf der Seite KENOM werden die Bestände mit sehr hochauflösenden Fotos präsentiert, um möglichst gute Forschungsarbeiten zu ermöglichen.

Münzforschung, Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg
Der Arbeitsplatz: Literatur, eine Lupe und viele Münzen
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Jede einzelne Münze wird genau betrachtet.
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Die Ergebnisse der Forschung werden digital in das Netzwerk KENOM eingetragen.
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Auch Bildgeschichten wurden auf Münzen geprägt. Hier: Prophet Daniel in der Löwengrube.
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Bisherige Lagerung der Münzen: Papiertütchen.
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Jetzt werden die Münzen in Münzkästen einsortiert. Hier: Münzen aus der Zeit von Graf Anton Günther (1583-1667).

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