Kunstwerk des Monats

Mai 2017

Werner Berges, Sommer (Mappe mit fünf Blättern), 1972, Farbserigraphien, Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg
Werner Berges, Sommer (Mappe mit fünf Blättern), 1972, Farbserigraphien, Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg

Das künstlerische Schaffen der 1960er und 1970er Jahre des 1941 in Cloppenburg geborenen Werner Berges ist der Kunstrichtung der Pop Art zuzuschreiben. Diese hat sich seit Ende der 1950er Jahre von Großbritannien und den USA ausgehend entwickelt und thematisiert Motive aus der Werbung, der Alltagskultur, dem Massenkonsum. Berges legte den Fokus seiner Pop Art-Arbeiten, die im großstädtischen Umfeld Berlins entstanden, auf die Frauentypen, die die in der Wer-ung angepriesenen Produkte präsentieren.

Das druckgrafische Verfahren, dem sich der Künstler in dieser Zeit bediente, ist das des Siebdrucks – auch Serigraphie genannt – mit dem sich serielle Darstellungen und plakative Wirkungen erzeugen lassen. In dieser Technik stellt Berges bis heute nicht nur Einzelwerke, sondern auch Grafik-Serien her, die er in Mappenwerken zusammenfasst. Eine solche im Jahr 1972 vom Künstler gestaltete Mappe mit dem Titel Sommer befindet sich in der Sammlung des Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg. Sie enthält fünf Farbserigraphien. Gedruckt wurden die Blätter von G. F. Margull in einer Auflage von 110 Exemplaren; erschienen ist die Edition im Rembrandt-Verlag Berlin.

Auch in diesen fünf Arbeiten variiert Berges die besagten Frauentypen in verschiedenen Farb- und Formspielen. Dabei isoliert er die Vorlagen aus ihrem ursprünglichen Werbe- und Medienkontext und verfremdet sie so, dass keine individuellen Züge mehr erkannt werden. Die Charakteristika dieser Werke lassen sich exemplarisch am Blatt Sommer I aufzeigen. Es bildet das überwiegend in Gelb gehaltene Dreiviertelportrait einer Frau ab, deren Konturen durch leuchtend rote, hellgrüne und weiße Farbflächen aufgebrochen werden, sodass sie wie zerfasert wirken. Während der Oberkörper nahezu gänzlich aufgelöst erscheint, ist das Gesicht noch gut zu erahnen. Ebenso die wie durch einen Windhauch nach vorne gewehten Haare der Frau, die ihr Gesicht bewegt umspielen und das als auffällige, kleine Farbfläche in einem Orangeton gestaltete Auge betont umrahmen. Dieses zerfetzende Auflösen der Körperformen und Bildflächen ist ein typisches Merkmal der Werke von Berges, das sich in vielen seiner figurativen Darstellungen finden lässt, wie auch die Flächigkeit einer Raumtiefe entbehrenden Zweidimensionalität. Zudem thematisiert der Künstler den dem Siebdruck eigenen Positiv-Negativ-Effekt in Form weißer Freiflächen von Gesichtern und Körpern, deren Konturen sich durch den Kontrast der umliegenden Farbfelder herausbilden.

In ihrer frischen, buntfröhlichen und dynamischen Art transportieren die fünf Serigraphien von Werner Berges den erotisierend-locker-lässigen Ausdruck des ‚summer of love-feelings‘ ihrer Entstehungszeit bis in die Gegenwart hinein.

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