Kunstwerk des Monats

August 2017

Fratelli Alinari
Gruppo D‘Infelici che invocano la Morte, Dettaglio dell Affresco il Trionfo della Morte
(Detail des Freskos “Triumph des Todes” im Camposanto in Pisa: Die Unglücklichen ersuchen den Tod)

Wir sehen einige entstellte Menschen, die die Arme ausstreckend jemanden anflehen, der sich der Gruppe nähert. Wir können den Kommenden nicht sehen, aber er muss mächtig sein, denn vor ihm stürzen Ritter und Potentaten zu Boden. Was sind das für Personen, die hier in aufgeregter Gestik dem Ereignis beiwohnen?

Die Fotografie aus der Zeit um 1880 ist Teil der Sammlung historischer Fotografien im Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg und zeigt einen Ausschnitt aus dem Freskenzyklus „Trionfo della Morte“ (Triumph des Todes). Das gut fünf Meter hohe und 15 Meter lange Fresko befindet sich auf dem Camposanto in Pisa und stammt aus der Mitte des 14. Jahrhunderts.

An den im Bild dargestellten Menschen sind die Auswirkungen von typischen Krankheiten des Mittelalters zu erkennen wie der Pest, Lepra und dem Ergotismus. Besonders die Pest dürfte im Zusammenhang mit der Entstehungszeit des Freskos stehen. Mitte des 14. Jahrhunderts fiel der Schwarze Tod über Europa her. Die Schwere der körperlichen Beeinträchtigung, welche an den Dargestellten zu sehen ist, erklärt die Haltung der Gruppe. Sie erwarten den Tod, setzen all Ihre Hoffnungen auf das Jenseits, auf die Erlösung all ihrer Leiden durch den Tod.

Ein Blindstempel auf dem Foto, der nur durch Schwenken des Kartons und bei genauem Hinsehen zu erkennen ist, bezeugt das bekannte italienische Fotoatelier Fratelli Alinari als Urheber. Bereits 1854 von den Brüdern Leopoldo (1832–1865), Giuseppe (1836–1890) und Romualdo (1830–1890) Alinari in Florenz gegründet, avancierte das Unternehmen schnell zu einem der erfolgreichsten Fotostudios des 19. Jahrhunderts. Die Brüder unternahmen umfangreiche Fotokampagnen, um die Kulturschätze Italiens fotografisch zu dokumentieren.

Dem Fotoatelier Fratelli Alinari haben wir es zu verdanken, dass Fotografien existieren, die den einstigen Zustand solcher Kunstwerke wie dem „Trionfo della Morte“ in Pisa dokumentieren und die Erhaltung für zukünftige Generationen ermöglichen. Denn wie schon der Blick auf das heutige Erscheinungsbild des Freskos im Camposanto beweist, ist auch Kunst vergänglich. Es erlitt über die Jahrhunderte hinweg starke Beschädigungen, besonders durch einen Bombenangriff im Zweiten Weltkrieg. Trotz aufwendiger Restaurierungsmaßnahmen sind die Freskomalereien des „Triumph des Todes“ in großen Teilen nicht mehr oder nur schwierig zu erkennen. So ist der Bildausschnitt, der in unserem Foto dargestellt ist, größtenteils nicht mehr vorhanden. Nur noch die Arme und Köpfe der von ihren Krankheiten gezeichneten Unglücklichen recken sich aus der fehlenden Bildhälfte.

Das Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte verfügt glücklicherweise über einen bemerkenswerten Bestand solcher historischer Fotografien des 19. Jahrhunderts. Neben den Fratellie Alinari finden sich ebenso bekannte Fotografen wie Giorgio Sommer, Francis Frith, Abel Briquet sowie Isaiah West Taber und viele andere. Die Technik des Fotografierens gestaltete sich zu jener Zeit noch sehr aufwendig. Die Leistung der Fotografen aber auch der künstlerische Anspruch ihres Schaffens findet durch die heutige Forschung ihre erneute Anerkennung.

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