Kunstwerk des Monats

September 2017

Harry Bertoia
Diamond Chair für Knoll International, 1950-1952 (Entwurf)


Harry Bertoia, Diamond Chair für Knoll International, 1950 - 1952 (Entwurf),Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg

Der Diamond Chair ist eine Ikone des modernen Möbeldesigns. Er steht in den Sammlungen großer Designmuseen, in den Lobbys von Banken, Botschaften und Konzernen, in Bars und Restaurants sowie in zahllosen Privathäusern. 1960 zierte er sogar das Cover des Magazins Der Spiegel. Seine Beliebtheit gründet sich vor allem auf seiner filigranen Leichtigkeit und Transparenz: Er besteht zur Hälfte aus Luft. Bis heute produziert von der amerikanischen Firma Knoll International, wurde der Stuhl zu Beginn der 1950er Jahre von Harry Bertoia entworfen. Bertoia, der eigentlich aus Italien stammte, lebte seit seinem 15. Lebensjahr in Amerika. Durch ein Stipendium für die renommierte Detroiter Cranbrook Academy of Art traf er 1938 Walter Gropius, Eero Saarinen und Charles und Ray Eames. Er gründete eine eigene Werkstatt, in der er Metallbearbeitung und Schmuckherstellung lehrte. In den 1940er Jahren ging er nach Kalifornien, um mit seinen Freunden Charles und Ray Eames zu arbeiten. Hier traf er erstmals Hans Knoll, den Gründer der gleichnamigen Möbelfirma, und dessen Frau Florence, die ihn ermutigten, eine Metallwerkstatt auf ihrem Fabrikgelände in Pennsylvania zu etablieren. 1950 setzte Bertoia dieses Vorhaben in die Tat um und begann in seinem neuen Studio mit dem Entwerfen und Herstellen von Möbeln.

Der Diamond Chair basiert auf dem Side Chair von 1950, den Bertoia als Drahtgeflechtstuhl konzipiert hatte. Ausschlaggebend für seine Idee eines Stuhls aus Metallgeflecht war ein mit Plastik ummanteltes Abtropfgitter für Geschirr. Das Prinzip des gebogenen Metalls faszinierte ihn so, dass er es auf den Bau von Möbeln übertragen wollte. Nach einigen Versuchen, den Stahldraht maschinell zu biegen, stellte sich heraus, dass es einfacher war, das Material per Hand und mit Hilfe einer gewölbten Holzschablone in die gewünschte Form zu bringen. Noch heute werden die Stahldrahtmöbel auf diese Art produziert. Die Sitzmuschel besteht ausschließlich aus gebogenen, sich überkreuzenden Metallstangen, die ein diamantförmiges Muster bilden - diese Struktur verleiht dem Stuhl seinen Namen, auf den sich Bertoia und Florence Knoll in einem Telefonat einigten. An den Seiten biegt sich das Gitter nach außen, so dass Armlehnen entstehen. Die Sitzschale wird unten durch seitliche Stützen verstärkt, die zugleich das Gestell bilden.

Als "niedrig im Preis, aufregend in der Form" bewarb Knoll die Bertoia-Möbel bei ihrem Erscheinen. Und tatsächlich verkauften sich die Drahtgeflechtstühle von Anfang an außerordentlich gut und fanden zahlreiche Nachahmer. Heute sind Möbel aus Metalldraht ein prägendes Element des Midcentury Design. Für Bertoia blieb es allerdings bei dieser einen Möbellinie für Knoll. An der Lizenz verdiente der Designer so gut, dass er sich vollständig seinem künstlerischen Schaffen widmen konnte. Neben Schmuck und Klangskulpturen fertigte er vor allem bildhauerische Arbeiten, bei denen er überwiegend Metall verwendete. Außerdem blieb Bertoia Knoll als Bildhauer und Designer für skulpturale Installationen am und im Bau verbunden. Für den Designer galten sowohl für seine Skulpturen als auch für seine Möbel dieselben Prinzipien von Materialität und Form: "Bei der Skulptur geht es vorrangig um den Raum, die Form und die Eigenschaften des Metalls. Bei den Stühlen müssen zunächst diverse funktionale Probleme gelöst werden. Aber wenn man diese bewältigt hat, sind die Stühle genauso Studien in Raum, Form und Metall."

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