Bedeutender Ankauf: Landesmuseum Oldenburg erwirbt Meisterwerk „Der gefesselte Prometheus“ aus der Rubens-Werkstatt

Eines der wertvollsten Gemälde der ehemaligen Großherzoglichen Gemäldegalerie kehrt nach über 100 Jahren dauerhaft zurück nach Oldenburg: Der gefesselte Prometheus von Rubens und seiner Werkstatt wird ab der Wiederöffnung des Museums für vier Wochen im Augusteum, der Galerie Alte Meister, zu sehen sein.

Es ist einer der bedeutendsten Ankäufe in der Geschichte des Landesmuseums für Kunst und Kultur­geschichte Oldenburg: Mit der Unterstützung des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur, der Ernst von Siemens Kunststiftung und der Kulturstiftung der Länder konnte das über 400 Jahre alte Gemälde Der gefesselte Prometheus (ca. 1613/14) aus der Rubens-Werkstatt erworben werden. Bei dem Werk handelt es sich um eine von mehreren bekannten Versionen des Motivs von Rubens, von denen heute nur noch zwei überliefert sind: eine Ausführung im Philadelphia Museum of Art und diejenige in Oldenburg.

Das imposante Gemälde erzählt nicht nur von Prometheus, der den Göttern das Feuer stahl und dafür hart bestraft wurde. Die bewegte Geschichte des Gemäldes reflektiert zugleich den Verlust der Groß­herzoglichen Gemäldesammlung für Oldenburg und das Schicksal vieler Kunstwerke während der NS-Zeit. Von 1804 bis 1919 war Prometheus Teil der Großherzoglichen Gemäldegalerie Oldenburg und zählte zu den zehn wertvollsten Kunstwerken der Sammlung. Der 1918 zur Abdankung gezwungene Großherzog Friedrich August begann 1919 damit, die geldbringenden Meisterwerke außer Landes zu schaffen und zu verkaufen. So gelangte auch das Rubens-Werk 1919 in die Niederlande und wurde hier 1924 im Amsterdamer Auktionshaus Fredrik Muller versteigert. Erworben wurde es zunächst von dem Kunsthändler Jacques Goudstikker, der es 1925 schließlich an das Ehepaar Ernst Proehl und Julia Schwarz veräußerte. Nach der Besetzung der Niederlande durch die deutsche Wehrmacht 1940 war das nach den sogenannten Nürnberger Gesetzen als jüdisch geltende Paar der Verfolgung ausgesetzt und musste das Gemälde für 20.000 Gulden an die Kunsthandlung P. de Boer in Amsterdam verkaufen. Von dieser erwarb es der Kunsthistoriker und SS-Führer Kajetan Mühlmann, der in hohem Maße in den NS-Kunstraub verstrickt war, für das so­genannte „Führer­museum Linz“. Während des Zweiten Welt­kriegs wurde das Bild mit anderen Kunst­werken in einem Salzstollen in den Alpen eingelagert, wo es großflächige Schäden in der Malschicht davontrug. 1951 wurde der Prometheus schließlich an die Niederlande restituiert, doch erst 2009 konnte das Bild an die rechtmäßigen Erben Proehls zurückgegeben werden und befand sich seither in Privatbesitz.

Videogruß von Prof. Hilgert zur Neuerwerbung

Erst 2017 erfuhr das Landesmuseum vom weiteren Verbleib des Gemäldes: Da die Geschichte nicht spurlos an dem Werk vorbei gegangen ist, befand es sich für konservatorische Untersuchungen an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart. Kuratorin Dr. Anna Heinze gelang es, das Werk als Leihgabe für die Sonderausstellung „Götter & Helden – Mythologische Malerei im Barock und heute “ zu gewinnen. So kehrte der tragische Prometheus im Herbst 2019, nach genau 100 Jahren, zurück nach Oldenburg.


Mit dem Ende der Laufzeit der Ausstellung „Götter & Helden“ traten Dr. Anna Heinze und Museumsdirektor Dr. Rainer Stamm mit dem Wunsch, das Gemälde dauerhaft für die Sammlung des Landesmuseums zu erwerben, an die Eigentümer heran. Mit dem wohlwollenden Entgegenkommen der Besitzer und der großzügigen Förderung durch die Stiftungen und das Ministerium konnte das Werk nun im Februar 2021 für das Landesmuseum und Oldenburg angekauft werden. Der gefesselte Prometheus wird ab der Wiederöffnung des Museums für vier Wochen im Augusteum, der Galerie Alte Meister, zu sehen sein. Danach sind umfangreiche Restaurierungsarbeiten an dem Werk in Pla­nung, das sich derzeit in einem teilrestaurierten Zustand befindet.

„Ich freue mich sehr, dass es uns gemeinsam gelungen ist, das Bild mehr als 100 Jahre nach der Ab­dankung des Großherzogs jetzt in den Besitz des Landes zu übernehmen“, so Niedersachsens Kulturminister Björn Thümler. „Das Werk erinnert daran, dass Oldenburg um 1900 über eine der bedeutendsten fürstlichen Altmeistersammlungen verfügte. Der Ausverkauf der Sammlung damals führte zum Erlass des ersten Kulturschutzgesetzes. Das Werk ist für uns Kulturerbe und Verpflichtung zugleich.“
„Ich bin stolz und dankbar, dass mit dem ‚Prometheus‘ eines der Hauptwerke der ehemaligen Groß­herzoglichen Gemäldegalerie nach Oldenburg zurückgelangt ist. Die Geschichte des Bildes gleicht einem Krimi, und ich danke allen Unterstützern und Beteiligten, dass uns nun ein ‚happy end‘ gelun­gen ist und das Gemälde wieder öffentlich präsentiert werden kann“, so Museumsdirektor Dr. Rainer Stamm.

„Mit dem Ankauf des Prometheus aus der Rubens-Werkstatt gelingt die Rückführung eines Meister­werkes, das einst zu den Glanzstücken der Sammlung des Oldenburger Großherzogs gehörte, in die Sammlung des Landesmuseums. Dieses ausdrucksstarke und imposante Gemälde ist ein großer Gewinn und ein neuer Glanzpunkt der Gemäldegalerie Oldenburg. Es wird nun dauerhaft der Öffent­lichkeit zugänglich sein – trotz Corona können unsere Sammlungen weiterentwickelt werden“, freut sich Dr. Martin Hoernes, Generalsekretär der Ernst von Siemens Kunststiftung.

Prof. Dr. Markus Hilgert, Generalsekretär der Kulturstiftung der Länder: „Mit dieser Erwerbung kehrt nicht nur ein kunsthistorisch bedeutendes Werk zurück in seine einstige Sammlung. ,Der gefesselte Prometheus‘ weist vielmehr zahlreiche Bezüge zu historischen Themen auf, die sich an ihm beispielhaft veranschaulichen lassen, wie etwa die oldenburgische Sammlungsgeschichte, die Fürsten­abfindung oder das Schicksal NS-verfolgungsbedingt entzogener Kulturgüter. Ich freue mich, dass das Landesmuseum Oldenburg neben der Vermittlung dieser Zusammenhänge auch die Provenienz vor dem 19. Jahrhundert rekonstruieren will. Daher haben wir gern mitgefördert.“

Der Ankauf wurde ermöglicht durch:

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