Zum Hauptinhalt springen

Sony VP-7040 U-Matic, ab 1990

Kunststoff, Metall
Erworben 1994 als Ankauf
Landesmuseum Kunst & Kultur Oldenburg
Inv. 28.782

Eike Lossin

Können Sie sich erinnern, welche TV-Serie von 1981 bis 1991 dienstags um 21:45 Uhr in der ARD gesendet wurde? Richtig: Dallas! Für zehn Jahre zählte dieser Sendeplatz als feste Routine im wöchentlichen TV-Programm vieler Fernsehzuschauer:innen. Und wer keine Folge verpasste, konnte mittwochs am Arbeitsplatz oder in der Schule über die neuesten Gemeinheiten und Intrigen des Fieslings J.R. Ewing und seines biederen Bruders Bobby mitreden. Wer aber aus verschiedenen Gründen die aktuelle Folge versäumen musste, erwarb mit der Anschaffung eines Videorecorders die Möglichkeit, durch eine entsprechende Programmierung des Gerätes, jegliche Sendung aufzunehmen und im Nachhinein anzuschauen, um selbstverständlich ebenso mitdiskutieren zu können.

Erste Videorecorder für den Heimgebrauch, beispielsweise das Gerät Optacord 500 der Firma Loewe, waren zwar schon anfangs der 1960er Jahre auf den Markt gekommen, allerdings noch preislich nahezu unerschwinglich. Gut zehn Jahre später folgten weitere europäische Firmen wie Philips und Grundig, die mit ihren neuen Magnetbandformaten VCR und Video 2000 ungleich preisgünstigere und damit erste kommerziell erfolgreiche Systeme zur Marktreife brachten. Die Konkurrenten Sony und JVC aus Japan antworteten Mitte der 1970er mit den Formaten Betamax und VHS – der Kampf um die größten Marktanteile der untereinander inkompatiblen Bandformate und ihrer zugehörigen Abspielgeräte war damit eröffnet und ging bis etwa 1984 als „Formatkrieg“ in die Technikgeschichte ein.

Den Sieg trug JVC aus Yokohama mit dem VHS-Format davon; alle anderen Produkte wurden von der Konkurrenz nach und nach eingestellt. Ein Hauptgrund waren die von den Systemerfindern der anderen Formate verlangten Lizenzgebühren, während JVC die Lizenzvergabe deutlich großzügiger gestaltete. Des Weiteren war VHS sehr konsequent auf die Bedürfnisse privater Nutzer:innen konzipiert worden: Die Kassetten und Abspielgeräte waren ebenso zuverlässig wie simpel, ihre Preise noch dazu vergleichsweise günstig. Ein weiterer Grund für den Durchbruch des VHS-Formats entbehrte alltagskulturanalytisch nicht einer gewissen Pikanterie: die Macht der Pornoindustrie! Während die Konkurrenz ihren Einfluss unterschätzte und deren Inhalte boykottierte, erschien der erste pornografische Film auf VHS. Dieses Monopol und die Tatsache, dass ab 1984 auch in Deutschland flächendeckend erste Videotheken öffneten, die nicht nur dieses Sujet ausschließlich auf VHS verliehen, verhalfen schlussendlich ebenso zum Erfolg.

Videotheken erlebten mit dem Aufkommen von Videokassetten und später den DVDs eine Blütezeit und evozierten ein neues mediales Konsumverhalten. Mit Öffnungszeiten bis in die späte Nacht hinein und ihrem vielfältigen Sortiment von Filmklassikern bis Neuerscheinungen, von Drama bis Horror und Komödie sowie den sogenannten Schmuddelecken kamen in den späten 1980er und dann noch einmal mehr in den 1990er Jahren Videoabende (oder auch sogenannte Videosessions) in Mode, die vor allem von Jugendlichen initiiert wurden. Mit Beginn des 21. Jahrhunderts begann infolge des Aufkommens von Streamingdiensten allerdings der rasche Niedergang dieser Branche. Auch die Markteinführung von DVDs als erstes digitales Format konnte dies nicht verhindern. Von den in den 1990er Jahren noch über 9.000 Videotheken in Deutschland blieb Anfang 2025 nur noch eine geschätzt zweistellige Zahl übrig.

Unser Objekt des Monats, ein Sony VP-7040 U-Matic, ist ein semi-professioneller Videorecorder der gehobenen Mittelklasse aus den frühen 1990er Jahren und soll sich durch seine Robustheit und Langlebigkeit ausgezeichnet haben. Bei den verwendeten U-Matic-Kassetten handelte es sich um das erste Videokassettenformat überhaupt von 1968, das heute jedoch fast in Vergessenheit geraten ist. Im Gegensatz zu späteren Modellen, verfügte dieses Gerät noch nicht über die 1991 eingeführte Programmiervariante „ShowView“. Dieses System vereinfachte die Programmierung von Videorecordern erheblich, indem ein für die entsprechende Fernsehsendung bereits voreingestellter ein- bis neunstelliger Zahlencode nur noch über eine Fernbedienung eingegeben werden musste und die Aufnahme automatisch startete, sobald die Sendung begann. Bei vorausgegangenen Recordern wie dem Sony VP-7040, bei denen Fernbedienungen noch nicht zur Regelausstattung gehörten, konnten lediglich die Uhrzeiten für den Beginn und das Ende der Aufzeichnung gespeichert werden. Die Folge war, dass die Aufnahme manchmal den Anfang oder das Ende vermissen ließ, wenn sich das Fernsehprogramm kurzfristig geändert hatte und sich der „Beginn der nachfolgenden Sendungen“ verschob.

Längst sind wir heute alle daran gewöhnt, mediale Inhalte jeder Zeit und allerorten im TV, vermehrt jedoch an PCs und auch ganz selbstverständlich über Smartphones zu konsumieren. Dies geschieht über Mediatheken herkömmlicher TV-Sender, natürlich über Streamings-Dienste und Social Media – eine vor über 30 Jahren gewiss noch in ferner Zukunft liegende Vereinfachung. Im Unterschied zu damals jedoch verpflichtete die Nutzung dieser Medien noch nicht zur Freigabe unserer persönlichen Daten gegenüber den Anbietern.

 

Literatur:
Balzer, Jens: No Limit – Die Neunziger. Das Jahrzehnt der Freiheit. Berlin 2023.
Manz, Friedrich: Videorecorder-Technik. Grundlagen, Schaltungstechnik und Service. 4., überarbeitete Auflage. Würzburg 1994. 
Mollenkopf, Heidrun; Hampel, Jürgen und Weber, Ursula: Technik im familialen Alltag: Zur Analyse familienspezifischer
Aneignungsmuster. In: Zeitschrift für Soziologie, 1989-10, Vol. 18 (5), S. 378–391.
Wolf, Markus: Formatkrieg im Wohnzimmer. Warum die schlechtere Technik gewann. Ohne Ort 2025.
Zielinski, Siegfried: Zur Geschichte des Videorecorders. Berlin 1986.

AlleObjekte des Monats

Sammlung Online

App ins Schloss

Die Palma-Story