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William Adams (Ausführung) 
Nach William Hackood (Entwurf)
Medaillon mit dem Porträt William Shakespeares 
um 1790

Jasperware
Ehem. Großherzogliche Altertümersammlung
Landesmuseum Kunst & Kultur Oldenburg
Inv. 9.909

Anna Heinze

Das kleine Medaillon zeigt auf blauem Grund die Profilansicht des englischen Dichters William Shakespeare (1564–1616). Der Schriftsteller, dessen Dramen zu den bedeutendsten Werken der Weltliteratur gehören, hat lockiges Haar, einen gelockten Bart und ist ein zeitgenössisches Wams gekleidet. 

Auf der Rückseite des Objekts findet sich ein Stempel mit der Inschrift „ADAMS“, der auf den Urheber des Medaillons verweist: William Adams (1745–1805) aus Greengate, Tunstall, in England war ein berühmter englischer Töpfer der Staffordshire-Region. Er gehörte zur bekannten Adams-Familie, die über Generationen hinweg Töpfereien in Staffordshire betrieb. Die Grafschaft hatte sich im 18. Jahrhundert zu einem Zentrum der Keramikproduktion entwickelt. Entscheidende Impulse kamen von Unternehmern wie Josiah Wedgwood (1730–1795), der neue Materialien und industrielle Fertigungsmethoden einführte. Verbesserte Transportwege, etwa Kanäle, erleichterten den Handel. Die Kombination aus technischen Innovationen, Rohstoffvorkommen und wachsender Nachfrage machte Staffordshire zu einem Motor der frühen Industrialisierung im Keramiksektor.
Josiah Wedgwood gilt als einer der bedeutendsten Pioniere der industriellen Keramikproduktion in England. Wie Adams wurde er in eine Töpferfamilie geboren und lernte früh das Handwerk. Sein Interesse an Experimenten und Innovationen zeichneten ihn schon in jungen Jahren aus, und eben diese Neugier sollte ihn später so erfolgreich machen. Im Jahr 1759 gründete er sein eigenes Unternehmen, aus dem die berühmte Manufaktur Wedgwood hervorging. Josiah Wedgwood verstand es nicht nur, qualitativ hochwertige Produkte herzustellen, sondern diese auch geschickt zu vermarkten. Er nutzte Kataloge, Ausstellungen und prominente Kunden, um seine Marke international bekannt zu machen. Das Besondere an Wedgwoods Unternehmen war die Verbindung von Kunst, Handwerk und früher industrieller Fertigung. Er führte standardisierte Produktionsprozesse ein, ohne dabei die Ästhetik zu vernachlässigen. Zudem arbeitete er eng mit Künstlern und Designern zusammen, was seinen Produkten einen charakteristischen Stil verlieh.

Die Firma Wedgwood existiert bis heute. Sie gehört inzwischen zum finnischen Konzern Fiskars und produziert weiterhin Keramik und Luxusgeschirr. Ein Teil der Fertigung – vor allem hochwertige Stücke – erfolgt noch in England, während ein großer Teil heute im Ausland hergestellt wird. Trotz wirtschaftlicher Veränderungen und zeitweiliger Krisen produziert Wedgwood weiterhin und verbindet dabei traditionelles Handwerk mit moderner Industrie.
 

Josiah Wedgwood war bekannt dafür, ständig an neuen Materialzusammensetzungen und Brennverfahren zu tüfteln. Er unternahm über mehrere Jahre Tausende Versuche hinsichtlich der Zusammensetzung des Scherbens, der Brenndauer und der Brenntemperatur, um eine hochwertige porzellanähnliche Keramik herzustellen. Im Jahre 1775 präsentierte er schließlich ein Steinzeug, welches weiß und zudem an seinen dünnen Wandungen durchscheinend war. Dies war für Steinzeug völlig neuartig. Josiah Wedgwood nannte es „Jasperware“. Diese zeichnet sich durch ihre matte, unglasierte Oberfläche und ihre meist pastellfarbenen Töne aus. Charakteristisch sind aufgesetzte Reliefs in Weiß, oft mit Motiven aus der Antike. Die feine Verarbeitung, klaren Formen und elegante Wirkung machten Jasperware zu einem Symbol für Stil und hochwertige Handwerkskunst. Das neue Steingut konnte in fast allen Farben hergestellt werden. Daher stand bei seiner Benennung der mehrfarbige Quarzstein „Jaspis“ Pate. Die bekannteste Jasperfarbe dürfte Blau – das berühmte Wedgwood-Blau – sein. Die blaue Farbe wird durch den Zusatz von Kobaltoxid erzielt.

William Adams, dessen Signatur auf unserem Shakespeare-Medaillon steht, war Schüler von Josiah Wedgwood. Bei ihm lernte er, die Jasperware herzustellen, bevor er 1789 seine eigene Töpferei gründete, die Greengates Pottery in Tunstall. Später kamen weitere Werke in Newfield hinzu. Adams spezialisierte sich auf Jasperware und war bekannt für sein „Adams Blue“, für das er eine charakteristische, fast violette Blautönung für seine Keramik perfektionierte, von der auch das Shakespeare-Medaillon zeugt.
In den 1790er Jahren hatte Wedgwood mit der Herstellung solch kleiner Porträtmedaillons aus Jasperware begonnen. Diese Stücke konnten relativ kostengünstig und in großen Mengen gefertigt werden. Begonnen wurde mit Porträts „berühmter Zeitgenossen“, zu denen englische Dichter – wie unser William Shakespeare -, Maler, Philosophen, Prinzen und Staatsmänner gehörten und zu denen bald auch Mitglieder des britischen Adels sowie Könige und Königinnen hinzukamen. 

Diese Produktidee nahm auch William Adams in seiner Töpferei auf. Sein Shakespeare-Medaillon könnte auf den Entwurf von William Hackwood, der für Wedgwood arbeitete und schon 1777 ein Shakespeare-Brustbild modelliert hatte, zurückgehen.
 

 

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