Der Oldenburger Hofmaler Tischbein
Das Landesmuseum Kunst & Kultur Oldenburg beherbergt die weltweit größte Sammlung an Gemälden, grafischen Arbeiten sowie historischen Schriftstücken Johann Heinrich Wilhelm Tischbeins (1751-1829), der vor allem unter dem Namen Goethe-Tischbein bekannt ist. Diesen verdankt er seinem berühmtesten Gemälde, das Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) in der römischen Campagna zeigt. Zudem ist er das international bekannteste Mitglied der hessischen Künstlerfamilie Tischbein.
Nach seiner Rückkehr aus Italien im Jahr 1799, wo Tischbein zuletzt Direktor der Kunstakademie von Neapel war, kam er erstmals in Kontakt mit dem Oldenburger Herzog Peter Friedrich Ludwig (1755–1829). Dieser erwarb zunächst Tischbeins erlesene Gemäldesammlung und nahm ihn schließlich im Jahr 1808 als Galerieinspektor und Hofmaler in seine Dienste. Tischbein lebte fortan in der herzoglichen Sommerresidenz in Eutin und schuf Werke wie den romantischen Idyllen-Zyklus oder das allegorische Gemälde Die Stärke des Mannes für das Oldenburger Schloss.
In der Sammlung Online des Landesmuseums kann die umfangreiche Tischbein-Sammlung entdeckt werden. Die Publikation Der Oldenburger Hofmaler J. H. W. Tischbein gibt darüber hinaus einen Einblick in das 2024 abgeschlossene Forschungsprojekt, das sich den Oldenburger Tischbein-Beständen widmete.
Tischbein im Schloss

1819 beauftragte Herzog Peter Friedrich Ludwig den Hofmaler Tischbein mit einem Idyllen-Zyklus, der seither als einzigartiges Schmuckstück der Beletage des Oldenburger Schlosses gilt. Er ist nicht nur eine Folge von 44 Einzelbildern, sondern ein in sich geschlossenes Werk. Geleitet vom Interesse an antiker Dichtung stehen Szenen aus der griechischen Mythologie, Schäferstücke sowie Satyrn, Nymphen und Mänaden neben der sommerlichen Landschaft Arkadiens.
Die sogenannten Tischbein-Öfen zählen zu den eindrucksvollsten Heizkörpern des frühen 19. Jahrhunderts. Ihren Namen verdanken sie Bildmotiven nach Zeichnungen Tischbeins - eines begnadeten Tiermalers. In geschwungenem Rankenwerk jagen Antilope, Leopard, Tiger und Zebra über die Kacheln und verleihen den Öfen eine erzählerische Lebendigkeit.
Darüber hinaus sind im Schloss Werke weiterer Vertreter der Künstlerfamilie Tischbein ausgestellt: des Kasseler-Tischbein Johann Heinrich Tischbein d. Ä. (1722-1789) und des Leipziger-Tischbein Johann Friedrich August Tischbein (1750-1812).
Zeitgenössische Rezeption
Zeitgenössische Künstler wie Michael Ramsauer (*1970) oder Moritz Götze (*1964) greifen Tischbeins Idyllen auf und lassen seine motive und Themen in der Gegenwart weiterwirken.
Tischbein im Prinzenpalais

Ausgangspunkt für den Rundgang durch die Kunst des 19. Jahrhunderts im Prinzenpalais sind zwei Kabinetträume mit Werken Tischbeins. Präsentiert wird neben klassizistischen Antikenrezeptionen und facettenreichen Tierstücken erstmals auch das neu für die Sammlung erworbene Bildnis der Schriftstellerin Engel Christine Westphalen (1758-1840). Wechselnde Arbeiten auf Papier runden die Präsentation ab.
Seit vergangenem Jahr bereichert das Bildnis der Schriftstellerin Engel Christine Westphalen (1758-1840) die umfangreiche Tischbein-Sammlung des Landesmuseums. Das 1808 entstandene Gemälde konnte dank der Spende einer Oldenburger Mäzenin erworben werden. Die heute weitgehend vergessene Autorin war eine schillernde Persönlichkeit und ihr Salon ein kultureller Mittelpunkt in Hamburg. Ihre Freundschaft mit Tischbein spiegelt sich in Gedichten und Briefen, die Teil des einzigartigen Künstlernachlasses in Oldenburg sind.
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Sonderausstellung zum 275. Geburtstag
Anlässlich seines 275. Geburtstages widmet das Landesmuseum Johann Heinrich Wilhelm Tischbein (1751-1829), der unter dem Pseudonym Goethe-Tischbein weithin bekannt ist, vom 28. November 2026 bis zum 7. März 2027 eine große Retrospektive. Mit über 85 Gemälden, rund 1.500 Zeichnungen und Aquarellen sowie mehr als 1.500 Briefen, Manuskripten und anderen Schriftstücken verfügt das Landesmuseum über den weltweit größten Bestand an Werken des ehemaligen Hofmalers, aus dem in der Schau ausgewählte Werke präsentiert werden. Ausgehend von einem ikonisch gewordenen Gemälde zeichnet die Ausstellung „J. H. W. Tischbein - Meister des Anekdotischen“ Leben und Werk eines Künstlers nach, der an der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert seine unverkennbaren Spuren hinterlassen hat.
Dabei richtet die Ausstellung ein besonderes Augenmerk auf die vielfältigen Zeichnungen und Aquarelle, fantasievoll kombinierte Bild-Text-Werke sowie Autografen aus dem umfangreichen Künstlernachlass. Objekte der Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts sowie der Trivialkultur beleuchten den Mythos Goethe-Tischbein kritisch und humorvoll zwischen Kunst, Kitsch und Kommerz.
Die Ausstellung wird gefördert durch die Rudolf-August Oetker-Stiftung und die Stiftung Kunst und Kultur der Landessparkasse zu Oldenburg.
Tischbein-Forschung am Landesmuseum
Zwischen 2020 und 2024 widmete sich das Landesmuseum Kunst & Kultur Oldenburg der wissenschaftlichen Bearbeitung sämtlicher Zeichnungen, Aquarelle und Druckgraphiken Tischbeins aus den Oldenburger Beständen. Es wurden Zuschreibungen überprüft, Motive identifiziert und Konvolute zugeordnet, Datierungen vorgenommen, eine Verschlagwortung ergänzt, aber auch schlicht Maße genommen und Techniken bestimmt.
Durch die Erschließung und Kontextualisierung der Graphiken innerhalb von Tischbeins Œuvre sowie die Zuordnung zu seinen zahlreichen künstlerischen wie literarischen Projekten können erstmals Werkzusammenhänge aufgezeigt sowie die Entstehung und Wandlung von Motiven nachvollzogen werden.
Erfahren Sie in unserem Forschungsarchiv mehr über das Forschungsprojekt.

































