Das 1919 in Weimar gegründete Bauhaus war eine Schule für Gestaltung, bei der Kunst und Handwerk verbunden wurden. Im aktuellen Forschungsprojekt des Landesmuseums geht es insbesondere um das Wirken von vier Bauhäuslern aus Oldenburg und Ostfriesland: Hans Martin Fricke, Hermann Gautel, Karl Schwoon und Hin Bredendieck. Gloria Köpnick und Rainer Stamm, die gemeinsam an dem Thema arbeiten, erzählen, was sich seit Sommer 2017 alles getan hat:

Gibt es neue Erkenntnisse zu den vier Bauhäuslern?
Stamm: Wir forschen weiter und stehen in engem Austausch mit den Familien der Bauhäusler. Unsere Sammlung hat sich durch gezielte Erwerbungen vergrößert, aber auch großzügige Schenkungen sind hinzugekommen. Die Familie Schwoon hat uns als Teilnachlass den Bestand zur „galerie schwoon“ geschenkt. Dafür sind wir sehr dankbar. Zu dem Nachlass gehören auch verloren geglaubte Schülerarbeiten Schwoons, die er am Bauhaus gefertigt hat. Insbesondere in Hinblick auf unsere für das nächste Jahr geplante Ausstellung "Zwischen Utopie und Anpassung" haben wir wertvolle Ergänzungen erhalten.
Köpnick: Im letzten November haben wir ein Bauhaus-Symposium im Schloss organisiert. Wir hatten ein starkes Podium mit renommierten Wissenschaftlern. Neben vielen Fachkollegen waren auch Familien der vier Bauhäusler und Interessierte aus Oldenburg dabei. Fast 100 Besucherinnen und Besucher kamen zu unserer Tagung. Es gab viel positive Resonanz und auch einige konstruktive Diskussionen. Die zwei Tage waren sehr intensiv!

"Zwischen Utopie und Anpassung"- Wo werden die Schwerpunkte der Ausstellung liegen?
Stamm: Neben der Geschichte unserer vier Oldenburger Bauhäusler und ihrer exemplarischen Lebenswege sowie herausragenden Meisterwerken möchten wir in unserer Ausstellung auch aufzeigen, wie sich das Design verändert hat. Die schlichte Form der Möbel ist für die meisten heutzutage selbstverständlich, war damals jedoch völlig neu. Die Bauhäusler revolutionierten das Wohnen, indem sie sich von den damals üblichen, vollgestopften und verschnörkelten, überladenen Wohnräumen abwendeten. Wir wollen in unserer Ausstellung die Aufbruchsstimmung, die die damalige Zeit und das Bauhaus ausmachte, sichtbar werden lassen.
Köpnick: Nach dem Schrecken des Ersten Weltkriegs und dem Untergang der Monarchie wurde das Bauhaus 1919 in Weimar gegründet. Die ersten Kunstwerke der Bauhäusler datierten diese mit dem Jahr eins, denn es galt als Beginn einer neuen Kunst, einer neuen Ordnung. Das Bauhaus war wie ein großes experimentelles Labor, in dem neue Ideen entstanden. Ein Schwerpunkt unserer Ausstellung wird daher auf der Metall-Werkstatt liegen. Hier wurde an jedem Detail getüftelt und probiert, bis die ideale Lösung eines technisch-konstruktiven, aber auch ästhetischen Problems gefunden war. Wir fragen in der Ausstellung, was diese vier Oldenburger bewegt hat ans Bauhaus nach Weimar bzw. Dessau zu gehen, was sie dort lernten und was sie von dort mit zurück in die Provinz Oldenburg brachten.

Können Sie jetzt - ein gutes Jahr vor der Eröffnung - schon etwas zu Highlight-Exponaten sagen?
Stamm: Wir haben früh geschaut, welche Werke wir aus dem eigenen Bestand zeigen können und wollen. Die Kunstgewerbeabteilung unseres Museums verfügt über sehr qualitätvolle Stücke, die Walter Müller-Wulckow, der Gründungsdirektor des Museums, schon zu Zeiten des Bauhauses gesammelt hat. Im Bereich der ‚Bauhaus-Kunst‘ haben wir früh den Radar angeschaltet, um zu schauen, welche Positionen für eine bedeutende Bauhaus-Ausstellung unabdingbar sind. Wir haben sehr gute Zusagen erhalten, so werden beispielsweise Werke von Oskar Schlemmer, Wassily Kandinsky und László Moholy-Nagy zu sehen sein.
Köpnick: Fest eingeplant ist zum Beispiel ein wunderbares Hinterglas-Bild von Josef Albers aus der Sammlung der städtischen Museen Erfurt. Darüber hinaus gab es in den 1920er und 30er Jahren verschiedene Ausstellung in Oldenburg unter Beteiligung der Bauhausmeister und ihrer Schüler. Diese Ausstellungen wurden vor allem von der ‚Vereinigung für junge Kunst‘ ausgerichtet. Unterstützung erhielt diese ‚Sezession‘ des Oldenburger Kunstvereins teilweise auch vom Landesmuseum. Ein paar Werke, die damals ausgestellt waren, werden 2019 für kurze Zeit nach Oldenburg zurückkehren.

Wie geht es weiter und woran arbeiten Sie gerade?
Köpnick: Wir beschäftigen uns mit der Gestaltung der Ausstellung. Es gibt eine bereits in den vergangenen Jahren erprobte Zusammenarbeit mit der Jade-Hochschule Oldenburg. Die Studentinnen und Studenten entwerfen, angeleitet von Professor Jens Peter Thiessen, dreidimensionale Modelle der zukünftigen Ausstellung am Computer. Das Fach heißt „Digitale Architekturdarstellung“. Um die Ideen zur Ausstellungsarchitektur und Gestaltung zu besprechen, gibt es regelmäßige Treffen. Wir sind bei jedem „Laborbesuch“ in der Jade-Hochschule begeistert. Es hilft uns auch, die Ausstellung von einer unbefangeneren Seite zu sehen und neue Gestaltungslösungen zu entdecken.
Stamm: Ziel ist es, im Laufe der Bearbeitung zu verschiedenen Layouts der Ausstellung zu kommen und die Rundgänge zu visualisieren. Eine inspirierende und tolle Zusammenarbeit!
Köpnick: Zudem arbeiten wir am Katalog zur Ausstellung. Nach Objekten für unsere Sammlung und Ausstellung halten wir auch immer die Augen offen. Wer mehr wissen will, findet regelmäßige Postings auf unserer Homepage und unserer Facebook-Seite.

Das Forschungsprojekt "Das Bauhaus in Oldenburg - Avantgarde in der Provinz" wird ermöglicht durch Forschungsmittel des Landes Niedersachsen und unterstützt durch die Kulturstiftung des Bundes.

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