Kunstwerk des Monats

August 2019
Albrecht Dürer, Die Verkündigung (Bl. 7 der Folge "Das Marienleben"), um 1503
299 x 213 mm
Erworben 1995 im Kunsthandel
Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg
Inv. 23.616

Gott schickte seinen Engel Gabriel zu Maria, um ihr die Geburt eines Sohnes zu verkünden, den sie als Jungfrau vom Heiligen Geist empfangen werde. Dieses klassische Motiv der christlichen Ikonografie interpretierte auch der 1471 in Nürnberg geborene Albrecht Dürer. Er versetzte die beiden Figuren in eine streng zentralperspektivisch angelegte Hallenarchitektur, die auf italienische Vorbilder zurückgeht. Sie beherrscht den Bildeindruck und lässt die Verkündigungsgruppe aus Maria und Gabriel verhältnismäßig klein erscheinen. Entsprechend der ikonografischen Tradition befindet sich die Muttergottes unter einem Thronhimmel und widmet sich ihren aufgeschlagenen Büchern, während über ihr der Heilige Geist in Form einer weißen Taube schwebt. Gottvater ist weiter im Hintergrund auf einer Wolke zu sehen.

Weitere Details der Komposition geben Hinweise zur Charakterisierung der Maria. Die sich auf der ins Bild führenden Schwelle befindende Vase mit Lilien und der Wasserbehälter samt Waschschale in einer Nische weiter hinten sind Symbole für die jungfräuliche Reinheit. Auf die Verbannung der irdischen Laster deutet der angekettete Dachs unter dem Treppenbogen. Weiterhin sei auf die weibliche Figur im Rundbild (Tondo) direkt unter dem Tonnengewölbe verwiesen. Es handelt sich um Judith, die in ihrer linken Hand das Haupt des Holofernes hält. Zu verstehen ist diese Geschichte als Präfiguration Mariens, die den Teufel besiegen wird.

Ursprünglich war der Holzschnitt mit der Verkündigungsszene kein einzelnes Blatt, sondern gehörte zu dem Zyklus „Das Marienleben“, den Dürer 1511 als Buch herausgab. Insgesamt schildern 19 Holzschnitte und ein Deckblatt das Leben der Gottesmutter und bilden einen der ausführlichsten Marienzyklen der Druckgraphik. Am Beginn stehen sechs Blätter, die vom Kindeswunsch ihrer Eltern Joachim und Anna bis zur Vermählung Mariens mit Joseph die Vorgeschichte erzählen. Die zehn nächsten Szenen illustrieren, beginnend mit der Verkündigung, die gemeinsame Zeit von Mutter und Sohn. Den Epilog bilden die Darstellungen des Todes, der Himmelfahrt und der Verehrung der Maria.

Auffällig ist die meisterhafte Feinheit, mit der Dürer fast schon malerische Schattierungen erzielt. Er perfektionierte die graphischen Techniken und konnte durch eine umfangreiche Produktion und hohe Auflagen eine nie dagewesene Breitenwirkung in der bildenden Kunst erreichen.

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