Kunstwerk des Monats

Dezember  2019
Otto Naber
Oldenburg im Winter, Blick auf Peterkirche und Lappan / Stadt im Schnee, 1918
Aquarell auf Papier
Inv. 14.781
Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg
Foto: Sven Adelaide

Unter dem Titel „Oldenburg im Winter, Blick auf Peterkirche und Lappan“ ist das Kunstwerk des Monats Dezember inventarisiert worden. Jedoch: der Titel täuscht. Wilhelmshaven wurde hier 1918 von dem Zeichenlehrer Otto Naber dargestellt. Mit einer begrenzten Farbpalette gestaltete Naber eine zarte und ausdrucksstarke winterliche Stadtlandschaft. Ruhe liegt über der Stadt, die Kälte ist eingekehrt. Gestalterisch bestimmend ist die Setzung blasser roter Flächen gegen das Weiß des Schnees, das allerdings nicht gemalt, sondern ausgespart ist und durch das Papier gebildet wird. Nur zur Konturierung der Bäume und einiger Details verwandte der Künstler Deckweiß und durchbrach damit die Grenzen einer streng reglementierten Aquarellmalerei. Die somit entstehende Textur der Bäume führt zur Auflockerung der flächigen Darstellung der Mauern und des Schnees. Der wolkenlose Himmel, der auch keine Sonne erkennen lässt, wurde mit einer halbdeckenden Lasur, gemischt aus Weiß und Grau, gemalt. Das Bild gibt einen verdichteten Blick auf schneebedeckte Baulichkeiten frei. Naber hat – höchstwahrscheinlich – die Ansicht so wiedergegeben, wie sie sich von seiner Wohnung in der Kaiserstraße (heute Weserstraße) darstellte. Auf der linken Bildseite fällt ein großes Gebäude auf: die Kaiserin-Auguste-Viktoria-Schule, eine Mädchenmittelschule. Rechts daneben strebt die Elisabethkirche empor. An dem Turm, der rechts davon knapp über die Häuser aufragt, erkennt man das Kaiserliche Postamt. Fast am rechten Bildrand ist das alte Wilhelmshavener Rathaus zu sehen. Die niedrigen Bauten im Bildzentrum sind Gebäude des Werftkrankenhauses. Eine Mauer grenzt das Areal von einer Schneefläche im Vordergrund ab. Im Hintergrund wird schwach ein Kran sichtbar – der Schwimmkran „Langer Heinrich“. Der Blick zielt also mitten in das Zentrum der wilhelminischen Marinestadt. Otto Naber wurde 1878 in Detmold geboren. Nach dem Besuch der Kunstgewerbeschule in Hannover und der Königlichen Kunstschule in Kassel wurde er 1906 Zeichenlehrer an der Wilhelmshavener Oberrealschule. Er war in der Stadt einer der Initiatoren der 1913 eröffneten Kaiser-Friedrich-Kunsthalle. Die „Erste Wilhelmshavener Kunstausstellung“ im Februar 1911 ist unter anderem ihm zu verdanken. Nabers Motive stammten anfangs aus dem damals preußischen Wilhelmshaven und seiner oldenburgischen Umgebung, später vornehmlich aus der Stadt Oldenburg. Von 1919 bis 1942 arbeitete er als Zeichenlehrer an der Oberrealschule in Oldenburg. Daneben gab er privat Zeichenunterricht, in seinem eigenen Atelier und im 1921 gegründeten „Werkhaus“, das sein Domizil im Augusteum hatte. Schon zu seinen Lebzeiten fanden Ausstellungen statt, die sich ausschließlich seinem Oeuvre widmeten. Am 14. Juli 1951 starb Otto Naber in Oldenburg. Heute dürfte er weitgehend vergessen sein, aber seine Aquarelle und Zeichnungen vermitteln uns noch immer einen künstlerisch-dokumentarischen Blick auf vergangene Stadtlandschaften.

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