Kunstwerk des Monats

Januar 2019

Giovanni Battista Piranesi, Ansicht des Konstantinbogens, um 1771, Radierung
Unten rechts bezeichnet: VEDVTA DELL‘ ARCO / DI / COSTANTINO; unterhalb der Darstellung links signiert: „Cavaliere Piranesi del. ed inc.“
Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg

Einst überbrückte er die Via Triumphalis, die prächtige Triumphstraße, die vom Circus Maximus zum Kapitol führte: Der Konstantinsbogen in Rom ist wohl der bekannteste aller antiken Triumphbögen. Er wurde im Auftrag des römischen Senats errichtet und sollte an den Sieg Kaiser Konstantins über seinen Rivalen Maxentius in der berühmten Schlacht an der Milvischen Brücke im Jahr 312 n. Chr. erinnern. Als der 1720 bei Venedig geborene Kupferstecher, Archäologe, Architekt und Architekturtheoretiker Giovanni Battista Piranesi um das Jahr 1771 den Konstantinsbogen zeichnete, wählte er nicht die frontale Ansicht des Bogens, sondern eine angeschrägte Perspektive. Dies ermöglichte es ihm, das große Relief im mittleren Tordurchgang abbilden zu können. Hierauf ist eine Schlachtenszene mit dem Kaiser zu sehen, der die Inschrift „liberatori urbis“ („dem Befreier der Stadt“) beigefügt ist und die programmatisch das Verdienst Konstantins für die Stadt Rom beschreibt.

Die Radierung stammt aus der Serie „Vedute di Roma“ („Ansichten von Rom“), die insgesamt 137 Blätter umfasst. Man konnte die Blätter einzeln oder auch als Sammelwerk kaufen. Piranesis Anliegen war es, große Drucke anzufertigen, die in ihrem Format Gemälden ebenbürtig waren und eher als Wandschmuck dienen sollten, denn als gebundenes Buchwerk. Auch wirtschaftlich war dies ein lohnendes Geschäft: Die Nachfrage unter den Rom-Reisenden nach solchen „Souvenirs“ war groß. Insbesondere die Engländer statteten sich gern mit den großformatigen Rom-Ansichten aus. Drucke solcher Art hingen in vielen bildungsbürgerlichen Wohnungen, wo sie den Rom-Reisenden als Erinnerung dienten und die anderen neugierig auf die Ferne machten.

Piranesi schuf mit seinen „Ansichten von Rom“ klassische Veduten, die die naturalistische Darstellung eines identifizierbaren Ortes mit der unmittelbaren Umgebung und Staffage zeigen. Er ging mit seinen virtuosen Darstellungen aber weit über die Ansprüche dieser Gattung hinaus. So schreckte er nicht davor zurück, die realen Verhältnisse so zu verändern, dass sie im Dienste der Bildwirkung seinen motivischen Ansprüchen genügten, indem er beispielsweise Mauern einriss oder Bogenstellungen verlängerte, um eine dramatischere Tiefenwirkung zu erzielen. Dadurch entstanden Hybridformen zwischen archäologischer Dokumentation und Architekturphantasien; so ist auch der Ausblick auf der linken Seite des Bildes eine halbwegs freie Interpretation der Ruine des Tempels der Venus und der Roma auf dem Palatin. Der souveräne Umgang mit der Linie als einzigem Gestaltungsmittel dokumentiert nicht nur Architektur, sondern vermag es auch, Lichtstimmungen vom grellen Mittagslicht bis zur abendlichen Dämmerung zu vermitteln. Die geschickt eingesetzte Lichtdramaturgie und Perspektive führen zu einer fast übersteigerten Bildwirkung. Der Künstler hatte unter anderem eine Ausbildung als Bühnenbildner und -gestalter genossen, die sich in der Inszenierung seiner Veduten niederschlägt. Die Bauwerke Roms werden bei Piranesi als Architekturporträts im Bild verewigt und erzählen weit über die Grenzen der Stadt hinaus ihre Geschichte. So wurde Kaiser Konstantin mit der Darstellung seines Triumphbogens bei Piranesi gleichermaßen ein zweites Denkmal gesetzt.

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