Kunstwerk des Monats

Juni 2018

Karl Schwoon (1908 – 1976)
Frauenkopf, 1928
Kohle und Ölfarbe auf Papier
24,1 x 23,3 cm
Erworben 2017 als Geschenk aus Familienbesitz im Rahmen des Forschungsprojekts „Das Bauhaus in Oldenburg – Avantgarde in der Provinz“
Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg

Der „Frauenkopf“ von Karl Schwoon entstand 1928 am Bauhaus Dessau und zeigt in starker Vereinfachung ein menschliches Gesicht. Eine fast ununterbrochene Linie formt hierbei Kopfumriss, Augen, Nase und Mund. Nur die Haarpartie rechts wird aus mehreren Strichen gebildet. Die kindlich anmutende Arbeit kreist vor allem um die Fragestellung der Linie, die im Unterricht von Paul Klee zentraler Bestandteil war: „Klee (…) führte uns zu den Wurzeln des grafischen Ausdrucks zurück, damit wir die unzähligen Bedeutungen, die man einer Linie auf zauberhafte Weise verleihen konnte, verstehen sollten“, erinnerte sich Schwoons Kommilitone Werner David Feist an diese Unterrichtsstunden.

Hinsichtlich des Œuvres von Karl Schwoon, dessen Frühwerk im Zweiten Weltkrieg durch einen Bombentreffer größtenteils zerstört wurde, ist diese Arbeit ein wichtiger Baustein für die Rekonstruktion seiner Jahre am Bauhaus Dessau. Seine künstlerische Ausbildung hatte Schwoon bereits in Oldenburg begonnen. Seinem künstlerischen Interesse folgend nahm er Unterricht am Oldenburger Werkhaus und war anschließend Volontär im Malersaal des Oldenburger Landestheaters, als Walter Müller-Wulckow, Gründungsdirektor des Landesmuseums Oldenburg und Unterstützer von Gropius und dem Bauhaus, sein Talent entdeckte und ihn ans Bauhaus Dessau empfahl. Gemeinsam mit Hermann Gautel, den er am Werkhaus kennengelernt hatte, brach Schwoon im Herbst 1927 nach Dessau auf, wo sich die Wege der Oldenburger jedoch nach kurzer Zeit trennten: Während Gautel nach dem Vorkurs in die Metallklasse wechselte, besuchte Schwoon ab Sommersemester 1928 die Druckereiwerkstatt.

Über den Unterricht hinaus engagierte sich Schwoon auch in der „Jungen Bauhausbühne“, beteiligte sich 1929 an der Braunschweiger Station der Wanderausstellung „Junge Bauhausmaler“ und war ab Juni des Jahres Hospitant in der Abteilung für Wandmalerei. Bevor er im Sommer 1931 sein Bauhaus-Diplom erhielt, war er im Wintersemester 1930 für kurze Zeit in der Bauabteilung tätig.
Nach dem Abschluss des Studiums kehrte Schwoon 1931 in seine Heimatstadt zurück. Hier engagierte er sich schon nach kurzer Zeit bei der avantgardistischen Oldenburger Vereinigung für junge Kunst: „Endlich wäre noch der junge Schwoon zu erwähnen, der mit Schöpfungen wie Klee energisch seinen Platz zu erringen sucht“, berichtete der Chefredakteur der Oldenburger Nachrichten Wilhelm von Busch über die Ausstellungsteilnahme des Bauhausabsolventen im Januar 1932 in Oldenburg. Im März des Jahres beteiligte sich Schwoon auch an der Ausstellung „Junge Oldenburger Photographen“, die das Landesmuseum im Schloss zeigte: „Modern sieht Karl Schwoon, sei es in Holzlager und Wehr in Wildeshausen, sei es in den Strukturaufnahmen von Rinde und Sand, oder in der Russenschaukel“, hieß es in einer Zeitungsbesprechung über Schwoons fotografische, jedoch nicht erhaltene Arbeiten.

Im weiteren Verlauf führte ihn sein Lebensweg für mehrere Jahre nach Berlin, doch nach Kriegsteilnahme und -gefangenschaft kehrte Schwoon nach Oldenburg zurück. Hier setzte er sich mit beeindruckendem Idealismus für den kulturellen Wiederaufbau der jungen Bundesrepublik ein. Am 1. Dezember 1945 übernahm er das Amt des Geschäftsführers des Oldenburger Kunstvereins. Um die eigenen Ideen eines kulturellen Neubeginns bestmöglich umsetzen zu können, gründete er Ende 1947 die progressive galerie schwoon (zunächst Brüderstraße 31, ab 1949 in der „Insel“ am Theaterwall 40), von der wichtige Impulse für den regionalen Kunstmarkt der frühen Nachkriegsjahre ausgingen. Schwoon zeigte hier jedoch nicht nur Kunst und kunstgewerbliche Objekte – auch das Landesmuseum gehörte zu seinen Kunden–, sondern organisierte in den Galerieräumen Künstlertreffs, Konzerte, Vorträge, Diskussionsabende und Theateraufführungen. Wie die von Ernst Beyersdorff gegründete Oldenburger Vereinigung für junge Kunst in der Zeit der Weimarer Republik, an deren Programmreichtum die Veranstaltungsangebote der galerie schwoon anschlossen, zeigte Schwoon im Frühjahr 1950 eine Klee-Ausstellung.

Nachdem er die Galerie 1952 aus finanziellen Gründen aufgeben musste, arbeitete Schwoon bis zu seinem Ruhestand als Bildredakteur der Programmzeitschrift „Hörzu“, jedoch war er mit Beginn der Redaktionstätigkeit selbst wieder künstlerisch tätig geworden und ein umfangreiches Spätwerk entstand.

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