Kunstwerk des Monats

Juni 2019
Christian Dell (1893–1974), Entwurf
Rondella Beleuchtungskörperfabrik GmbH, Oberursel/Frankfurt a. M., Herstellung
Tischleuchte „Rondella“, 1928–1931
Standrohr/Leuchtenarm: Messingrohr, vernickelt; Reflektor: Kupferblech; Sockel: Stahlplatte, abgedeckt mit brüniertem Kupferblech
Höhe max. 54 cm (variabel)
aus dem Nachlass Walter Müller-Wulkow, 1991
Inv. 20.525

„Vollkommen blendungsfrei. Vielseitig verstellbar. Mit automatischer Klemmvorrichtung. Sachliche Bauart. Höchste Qualitätsarbeit. Eine praktische Leuchte für Architekten, Ingenieure, Zeichner, Kaufleute und Beamte.“ So wurde das Kunstwerk des Monats, die Tischleuchte „Rondella“, 1928 in der Zeitschrift „Das Neue Frankfurt“ beworben und bis heute gilt der Entwurf als wegweisend für das moderne Leuchtendesign. Der Gestalter der „Rondella“ Christian Dell brachte seinen Namen selbstbewusst in die Bezeichnung der Serie ein. Heute ist seine Person in den Hintergrund geraten, obwohl er immerhin drei Jahre als Werkmeister am Bauhaus in Weimar tätig war.

Funktionalität und schlichte Eleganz prägen die Gestaltung der Tischleuchte „Rondella“. Von einem flach-runden, mit Kupferblech abgedeckten Sockel geht ein zierliches Standrohr ab, an dem eine zweite Röhre mit rechtwinkliger Biegung als Leuchtenarm befestigt ist. Der Arm kann in der Höhe variabel fixiert und um die Achse des Standrohrs gedreht werden. Die Vorteile der innovativen Klemmvorrichtung lagen auf der Hand, denn die Ausrichtung des Lichtscheins konnte so flexibler als zuvor erfolgen. Typisch für Dells Leuchten wurde auch in nachfolgenden Entwürfen der glockenförmige und schräg geschnittene Reflektor, der den Lichtschein vom Sockel entfernte und der hier in Kupferblech ausgeführt ist.

Dell, der 1893 in Offenbach am Main geborene Sohn eines Schlossers, wurde zunächst als Silberschmied ausgebildet und erhielt Unterricht an der Zeichenakademie Hanau und unter Henry van de Velde an der Großherzoglich-Sächsischen Kunstgewerbeschule in Weimar. 1922 trat Dell seine Stelle als Werkmeister der Metallwerkstatt des Staatlichen Bauhauses in Weimar an und beschäftigte sich hier erstmals mit der Gestaltung von Leuchten für das Musterhaus „Am Horn“.Erst als Leiter der Metallwerkstatt der Frankfurter Kunstschule jedoch widmete er sich weitaus intensiver der Gestaltung innovativer Leuchten für die Serienproduktion. Dells Anstellung in Frankfurt wurde 1933 von den Nationalsozialisten jäh beendet. Dem voraus ging eine sehr ergiebige Zeit, in die auch die Entwurfsleistung der „Rondella“-Modelle fällt. Weitere Erfolge auf dem Gebiet der industriellen Leuchtengestaltung folgten etwa mit den Entwürfen „Dell-Lampe Type K“ und der „Idell“-Serie, die in Zusammenarbeit mit der Firma Gebr. Kaiser & Co. in Neheim-Hüsten produziert wurde. Als außerordentlich erfolgreiche deutsche Designprodukte prägten diese Leuchten über Jahrzehnte das Bild deutscher Bürostuben.

1974 verstarb Christian Dell in Wiesbaden. Zuletzt hatte er sich wieder intensiver seinem einstigen Metier, der Silberschmiedekunst, zugewandt. Der Entwurf der Tischleuchte „Rondella“ steht am Beginn seiner sicherlich produktivsten und innovativsten Jahre in Frankfurt. Die Leuchte zählt zu den Designklassikern des 20. Jahrhunderts und war in ihrer Klarheit und fertigungstechnischen Umsetzbarkeit richtungsweisend. Ein Exemplar aus dem Nachlass des einstigen Museumsdirektors Walter Müller-Wulckow ist im Schloss des Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte ausgestellt.

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