Kunstwerk des Monats

März 2019
Wolfgang Heimbach (1615 – 1678):
Die Familie des Perserkönigs Darius vor Alexander dem Großen, 1666
Öl auf Leinwand
 

Unser „Kunstwerk des Monats“ ist ein His­torienbild von Wolfgang Heimbach (ca. 1615-1675). Der Maler war ein gebürtiger Oldenburger, der zwar lange im Ausland lebte, jedoch im Laufe seines Lebens mehrfach für längere Zeit in seine Heimat zurückkehrte. Heimbach setzt in diesem Gemälde eine im 17. Jahrhundert sehr beliebte Szene aus dem Leben Alexanders des Großen ins Bild, nämlich die Unterwerfung der in Kriegsgefangenschaft geratenen Familie seines Kontrahenten, des persischen Großkönig Darius III., nach der Schlacht bei Issos (333 v.Chr.). Der antiken Überlieferung zufolge behandelte Alexander die Angehörigen seines Feindes ungewöhnlich milde. Daher bemühten Künstler gern dieses Bildmotiv, wenn sie die klassische Fürstentugend „Großmut“ vergegenständlichen wollten. Im 17. Jahrhundert versahen sie die antiken Helden gern mit den Physiognomien ihrer eigenen Fürsten. Heimbach folgte dieser Praxis seiner Kollegen, denn im siegreichen und großmütigen Alexander lässt sich unschwer ein Porträt König Friedrich III. von Dänemark (1609-1670) erkennen. Die Signatur datiert den Malprozess ins Jahr 1666 und erläutert darüber hinaus, dass der Künstler sein Bild in Oldenburg gemalt hat. Heimbach hat vor seinen Namen die Abkürzung „Old:“ gesetzt, so wie er seine in Kopenhagen gemalten Bilder fast immer mit einem „Cop:“ zu ergänzen pflegte. Aus der Aktenüberlieferung des 17. Jahrhunderts wissen wir, dass Graf Anton Günther (1583-1667) dem eigentlich in Ovelgönne beheimateten Maler Heimbach zeitweise einen Atelierraum im Oldenburger Schloss zur Verfügung gestellt hatte. Sehr wahrscheinlich wurde das Gemälde also in den Mauern des heutigen Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte angefertigt! Dorthin kehrte es 1965 durch einen Ankauf aus dem englischen Kunsthandel zurück.

Was zeigt unser Bild nun im Einzelnen? Der Betrachter blickt in eine hallenähnliche Palastarchitektur. Eine illustre Gesellschaft hat sich im Vordergrund eingefunden. Die Bildmitte wird von der Gemahlin des Darius und ihren Töchtern beansprucht. Mit gebeugten Knien begrüßen die Frauen den siegreichen König der Makedonen, der sich von rechts mit mehreren Gefährten und Soldaten nähert. Der antike Autor Plutarch (ca. 45-125 n.Chr.) berichtet in seiner Alexanders-Biographie von einer peinlichen Verwechselung, die der Gattin des persischen Großkönigs seinerzeit unterlief: Sie verwechselte Alexanders Freund Hephaistion mit dem Makedonenkönig und bedachte jenen mit größeren Ehren als Alexander. Letzterer nahm den Irrtum jedoch sportlich und erklärte seinen Freund der erwiesenen Ehren würdig. Heimbach platziert den Hephaistion am äußerst rechten Bildrand. Er winkt mit der rechten Hand ab, während der neben ihm stehende Alexander (mit einem Lorbeerkranz auf dem Haupt) seinerseits Gesten des Verzeihens erkennen lässt. Das Bild ist meisterhaft komponiert, die Figurengruppen geschickt angeordnet und die Farben sorgsam nuanciert. Der Betrachter ahnt, dass es sich kaum um die Bilderfindung eines norddeutschen Kleinmeisters handeln kann. Und in der Tat diente unserem Künstler ein Gemälde mit demselben Thema von Paolo Veronese (1528-1588) als Vorbild, das 1629 nach Venedig kam und heute in der National Gallery London hängt. Vermutlich hat Heimbach es in Venedig gesehen und eine Zeichnung vom Original angefertigt, die er viele Jahre später als Vorstudie für das Gemälde verwenden konnte. Er schuf jedoch keine exakte Kopie, sondern eine freie Variation des italienischen Vorbilds. Wolfgang Heimbach wollte sich mit diesem Werk vermutlich seinem königlich-dänischen Auftraggeber erneut in Erinnerung rufen.

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