Kunstwerk des Monats

Mai 2019
Marguerite Friedlaender (1896–1985), Entwurf
Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin (KPM), Ausführung
Vase „Halle“, Nr. 14149a
1931 (Entwurf), Seladonporzellan
Erworben 2017 als Geschenk aus der Sammlung I. und W. Funke
Inv. 30.999

Zwei zusammengesetzte organische Formelemente – auf einem Standring ein kugelförmiger Korpus und ein sich nach oben öffnender konischer Hals – bilden einen Klassiker des Vasendesigns, der noch heute von der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin (KPM) produziert wird. Die einfach nur „Halle“ genannte Vase wurde im Sommer 1931 von Marguerite Friedlaender entworfen. Die Keramikdesignerin hatte ihre Ausbildung am Bauhaus in Weimar absolviert. 1925 wechselte sie an die Kunstgewerbeschule Burg Giebichenstein nach Halle, wo sie die Leitung der Keramikklasse übernahm – als erste Frau in Deutschland in solch einer Position. Dort wurde Günther von Pechmann auf sie aufmerksam, der 1929 zur KPM gekommen war, um das Unternehmen wirtschaftlich zu sanieren und vor allem die Sparte des Gebrauchsporzellans zu modernisieren. Pechmann beauftragte für dieses Vorhaben Friedlaender mit dem Entwurf eines zeitgemäßen Geschirrs. Die Keramikerin präsentierte nur wenige Monate später ein reinweißes, dekorloses Kaffee- und Mokkaservice mit dem Namen „Halle’sche Form“, dem einige Zeit später auch die passende, in vier Größen gestaffelte Vasenreihe folgte. Neben der Größe kann in Ausnahmefällen auch die Farbigkeit der Vase variieren. So existieren auch eine schwarz glasierte Version sowie die Variante aus lauchgrüner Porzellanmasse, die sich in der Sammlung des Landesmuseums befindet. Diese zartgrüne, nach dem chinesischen Vorbild Seladon benannte, durchgefärbte Porzellanmasse war eine Erfindung aus dem technischen Versuchslabor der KPM.
Die Radikalität des Vasenentwurfs muss man sich heute, wo klare und sachliche Formen selbstverständlich sind, immer wieder vor Augen führen: Auf jegliches Dekor und auf jegliche Farbe zu verzichten, war für damalige Sehgewohnheiten äußerst ungewohnt. Die strenge Funktionalität widersprach der Tradition der bisher aufwändig dekorierten Tafelgeschirre. Der Erfolg der Vase war nicht selbstverständlich und tatsächlich brachte die KPM auch eine Fassung der kleinen „Halle“-Vase mit Goldringdekor heraus – für diejenigen, die sich mit der Schlichtheit der Vase nicht recht anfreunden konnten.

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahr 1933 musste Friedlaender ihre Lehrtätigkeit an der Burg Giebichenstein aufgeben. Sie ging mit ihrem Mann zunächst in die Niederlande, wo sie ein Töpferstudio eröffneten. Doch die politischen Umstände zwangen Friedlaender, Europa zu verlassen. 1940 emigrierte sie in die USA, wo sie bis zu ihrem Tod an verschiedenen Colleges in Kalifornien unterrichtete, unter dem Label „Pond Farm Pottery“ Studiokeramik anfertigte und Keramikkurse anbot.
Friedlaenders zeitlos moderne Entwürfe markieren in der Geschichte der KPM den Übergang vom Pioniergeist der Bauhaus-Keramik zur Serienform: Das handwerklich getöpferte

Einzelstück wird zum industriellen Prototyp einer Gießform, die die massenhafte Produktion eines Gegenstands erlaubt. So hat Friedlaender das Ideal einer Verschmelzung von Kunst und Handwerk nie aufgeben müssen.

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