Kunstwerk des Monats

September 2018

Frans Floris (Antwerpen 1519/20 – 1570 Antwerpen), Werkstatt
Das Urteil des Midas, um 1600
Öl auf Eichenholz, 96 x 126 cm
Ehem. Großherzogliche Gemäldegalerie
Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg

In den „Metamorphosen“ des römischen Dichters Ovid ist die Sage um den musikalischen Wettstreit zwischen Apoll und Pan beschrieben. Erster, Gott der Dichtkunst und Musik, trat die Herausforderung mit einer Leier an, wogegen der Wald- und Hirtengott mit seiner Panflöte aufspielte. Schiedsrichter über die Frage, wer am schönsten musizieren könne, war der Berggott Tmolus. Er gab den ‚süßen‘ Klängen der von Apoll gespielten Kithara den Vorzug und alle Anwesenden stimmten ihm zu, abgesehen von einem: König Midas von Phrygien, der mehr Gefallen an Pans Flötenspiel fand. Erbost über die Ablehnung des Midas zog Apoll „das törichte [menschliche] Ohr“ des Königs kurzerhand lang und ließ ihm Eselsohren wachsen.

Diese mythologische Szenerie zeigt das um 1600 wohl in der Werkstatt des flämischen Malers Frans Floris (Antwerpen 1519/20 – 1570 Antwerpen) entstandene Gemälde „Das Urteil des Midas“ des Landesmuseums Oldenburg. Pan und Apoll, zentral im Bildmittelgrund auf einer Waldlichtung positioniert, werden von einer Schar Zuhörer umringt. Links neben dem bocksbeinigen, gehörnten Hirtengott, der seine Flöte in Händen hält, sitzt sein Befürworter Midas, der sein Urteil deutlich macht, indem er mit der rechten Hand auf Pan zeigt. Zu erkennen ist der phrygische König überdies an den bereits von Apoll verwandelten Eselsohren. Sich seines Könnens bewusst, schaut der Sieger des Wettbewerbs den Betrachter an. Rechts neben ihm, etwas weiter im Hintergrund, sitzt der eigentliche Schiedsrichter über den Wettstreit: der weise, bärtige Berggott Tmolus. Neben den Protagonisten der Szene fallen insbesondere zwei im Vordergrund platzierte Figuren ins Auge, die im Bildaufbau so angeordnet sind, dass sie den Blick auf Pan, Apoll und ihre Richter freigeben. Am linken Bildrand befindet sich halb sitzend, halb liegend ein Flussgott. Seine nach hinten abgewinkelten Beine leiten zur weiblichen, am rechten Bildrand platzierten Quellnymphe über, die die Pose des Gegenübers in ihrer sitzenden, geschwungenen Haltung fast spiegelbildlich als Rückenakt aufnimmt. Der Bildaufbau dieser Versammlung mythologischer Götter, Nymphen und Faune ist so geschickt gewählt, dass eine gezielte Blickführung des Betrachters hin zum Zentrum erreicht wird: Vom am linken Rand befindlichen Satyr, der den Betrachter direkt anschaut und dessen Blick auffängt, wird dieser zum Flussgott im Vordergrund geleitet. Dessen Blickrichtung folgend gelangt der Beschauer zur Quellnymphe und von dort zu einer zweiten weiblichen Gestalt auf Höhe des Satyrn am linken Bildrand. Über sie erreicht die Blickführung letztendlich ihr Ziel, das Zentrum im Mittelgrund mit den Protagonisten Pan und Apoll. Dadurch, dass sich die beiden großen Figuren im Vordergrund sehr nah am unteren Bildrand befinden, entsteht für den Betrachter zudem der Eindruck, als wäre er Teil des Bildgeschehens, wirkt es doch, als stünde er unmittelbar hinter ihnen und sei Mitglied der Zuhörerschar.

Derartige Figurenkompositionen sind typisch für die Epoche des Manierismus, der Spätphase der Renaissance um 1600. Gekünstelte Posen sowie in verschiedenste Richtungen gedrehte Körperglieder kennzeichnen diese Darstellungen. Ein Maler dieser Zeit war auch der aus Antwerpen stammende Frans Floris. Wie viele andere Künstler damals, reiste er nach Italien, um die antiken Vorbilder und die zeitgenössische Kunst, u.a. Raffaels und Michelangelos, zu studieren. In Antwerpen richtete er ein eigenes Studio mit großer Werkstatt ein, die an italienischen Vorbildern orientiert und nach diesen – mit zahlreichen Mitarbeitern und Schülern – organisiert war.

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