Schlossgeschichten

Heute: Die geheime Wendeltreppe

Die geheime Wendeltreppe im Schloss ist leider aus Sicherheitsgründen für unsere Besucher tabu. Das ist besonders schade, weil die um 1610 gebaute Holzstiege die private Treppe des berühmten Grafen Anton Günther (1583-1667) gewesen ist und in dieser Funktion sogar einmal von politisch großer Bedeutung für die oldenburgische Landesgeschichte werden sollte.

Über die Wendeltreppe konnte der Graf von seinem persönlichen Gemach im ersten Stock des Schlosses (heute: Grüner Salon) das Fremdenzimmer im zweiten Stock betreten und ohne Wissen des Personals mit seinen Gästen Umgang pflegen. Damals hatte jedes Zimmer einen Namen, und das Gästezimmer hieß „Fürst Rudolfs Gemach“ nach Anton Günthers Schwager Rudolf von Anhalt-Zerbst (1576-1621), der hier einmal ein paar Wochen lang gewohnt hatte. Der Fußboden war nach niederländischer Art bunt gefliest, die Wände mit Gobelins bedeckt, die Decke mit teilweise vergoldetem Stuckgips mit eingelassenen Gemälden versehen. Ein großer Marmor-Kamin sorgte in der kalten Jahreszeit für wohlige Temperaturen.

Im Frühsommer 1632 wohnte hier die 29-jährige Adlige Elisabeth von Ungnad. Als Protestantin war sie mit ihrer Familie kurz zuvor aus Österreich geflüchtet und kam eine Zeitlang am Oldenburger Hof unter. Graf Anton Günther verliebte sich in sie und besuchte sie nachts über seine „Geheimtreppe“. Die Frucht dieser Verbindung war das uneheliche Kind Anton von Aldenburg. Weil Graf Anton Günthers spätere Ehe mit Sophia Catharina von Holstein-Gottorf kinderlos blieb, vererbte er seinem illegitimen Spross riesige Ländereien.

Diese Großzügigkeit des alternden Grafen hat dem Land Oldenburg schwer geschadet und zu erheblichen Verwicklungen zwischen den Nachkommen Anton von Aldenburgs und den dänischen Königen (als politischen Erben Anton Günthers) geführt. Wäre die geheime Wendeltreppe nicht gewesen, wären diese Probleme vielleicht nie entstanden…

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