Tischbein war von 1808 bis 1829 als Hofmaler und Galerieinspektor des Herzogs Peter Friedrich Ludwig in Oldenburg und Eutin tätig, weshalb sich heute zahlreiche seiner Werke im Landesmuseum befinden. Hinzu kam der Ankauf des umfangreichen Künstlernachlasses Tischbeins aus Familienbesitz in den 1980er-Jahren, der seither auf seine wissenschaftliche Bearbeitung wartete. Mit über 85 Gemälden, rund 1.500 Zeichnungen und Aquarellen sowie mehr als 1.500 Briefen, Manuskripten und anderen Schriftstücken verfügt das Landesmuseum über die weltweit größte Tischbein-Sammlung.
Gegenstand des Forschungsprojektes waren sämtliche Zeichnungen, Aquarelle und Druckgrafiken Tischbeins aus den Oldenburger Beständen. Diese reichen von mit wenigen Linien skizzierten Figuren, über detaillierte Porträtstudien bis hin zu farbenfrohen Tierdarstellungen und Fabeln. Ergänzt werden sie von Tischbeins eigenwilligen Bild-Text-Werken sowie von verschiedenen Sammelmappen. Gemeinsam bilden sie das Bildarchiv des Künstlers. Diese einmalige und zuvor weitgehend unbearbeitete Sammlung zeigt Tischbeins Arbeitsweise und seine facettenreichen Bildwelten.
Im Rahmen der wissenschaftlichen Bearbeitung der rund 1.500 grafischen Arbeiten wurden zunächst Zuschreibungen überprüft, Motive identifiziert und Konvoluten zugeordnet, Datierungen vorgenommen, eine Verschlagwortung ergänzt, aber auch schlicht Maße genommen und Techniken bestimmt.
Durch die Erschließung und Kontextualisierung der grafischen Arbeiten innerhalb von Tischbeins Œuvre sowie die Zuordnung zu seinen zahlreichen künstlerischen wie literarischen Projekten können erstmals Werkzusammenhänge aufgezeigt sowie die Entstehung und Wandlung von Motiven nachvollzogen werden. Derart kann ein neuer Blick auf den Künstler Johann Heinrich Wilhelm Tischbein sowie seine mannigfaltigen künstlerischen Leistungen gewonnen werden.
Die Ergebnisse des Forschungsprojektes werden in der Publikation Der Oldenburger Hofmaler J. H. W. Tischbein in der Jahrbuchreihe Niederdeutsche Beiträge zur Kunstgeschichte präsentiert.
Das Forschungsprojekt wurde ermöglicht durch eine Förderung des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur, der ZEIT STIFTUNG BUCERIUS sowie der Ernst von Siemens Kunststiftung.
Vortreffliche Niederländer! Der Oldenburger Hofmaler Tischbein und die niederländische Kunst, Landesmuseum für Kunst & Kultur Oldenburg, Oldenburg 2021 (Begleitheft zur Sonderausstellung)
Tischbein und die Kunst des ‚Goldenen Zeitalters‘ – Rezeptionsgeschichte(n) um 1800, Heidelberg 2020
Wird gefördert durch


















